Saturday, March 25, 2006

Wohnraum in der Uni

Stelle dir vor, du müsstest in der Universität wohnen. Welchen Platz würdest du auswählen? Welche privaten Gegenstände würdest du mitbringen (und wie wirken sie im neuen Umfeld)?

So lautete die Aufgabe, die uns im Rahmen unseres Kunstseminars „Ästhetische Biografien“ gestellt wurde. Lena und ich hatten gestern endlich mal Zeit, diese Aufgabe zu erfüllen: Wir wohnten für einen Nachmittag an einem öffentlichen Platz, in der Uni. Direkt vor dem Prüfungs-Sekretariat. Dort ist es schön hell und man hat einen tollen Ausblick auf das Hauptgebäude. Außerdem ist es ein Durchgangsort zu den Hörsälen und zum A-Gebäude, d.h. wir hatten auch am Freitagnachmittag vorbeigehende „Gäste“.
Wir haben uns einen schönen Wohnraum gestaltet mit Topfpflanzen, Duftlampen, Kerzen, Radio, Büchern, Spielen, vielen Kissen, Lichterketten, Fotos und Bildern für die Wand, einer Nähmaschine, Kulturbeutel, Zahnputzzeug, Teegeschirr naja, was man halt so zum Wohnen braucht. Während der Zeit haben wir 7-8 fremde Leute gefunden, die uns direkt in unserem Wohnraum besucht haben. Unglaublich, zum Teil haben die freiwillig ihre Schuhe ausgezogen und neben den Fußabtreter gestellt – ohne Aufforderung:)!! Wir trugen natürlich Hausschuhe. Dazu kamen zahlreiche lustige Gespräche mit Vorbeigehenden.
Wir haben uns unterhalten, gelesen, Karten gespielt.
Sogar der Herr vom Prüfungssek (den wir vorher stets als garstig und unfreundlich verurteilten;)) stellte sich als sehr nett heraus, besuchte uns, aß mit uns Plätzchen und ließ mich sogar (Hausschuhe tragend;)) mit meinem Wasserkocher an das Waschbecken in seinem Büro.

Private Räume sind Schutzräume. Räume, in die man sich zurückzieht, Ruhe sucht. Eine Trennung der inneren von der äußeren Welt. Private Räume sind intim und sagen viel über den Bewohner aus.
Öffentliche Räume dagegen haben oft etwas kaltes, unpersönliches. Es herrschen bestimmte Verhaltensregeln, die wir gestern für einen Moment lang gebrochen haben. Die Passanten haben erstaunlich positiv reagiert. Anscheinend herrscht in Schul- und Universitätsgebäuden noch eine gewisse Narrenfreiheit.
Wir haben uns einen kleinen, privaten Raum in einem öffentlichen Raum geschaffen.

Also wenn ich demnächst wieder stundenlang vorm Prüfungssekretariat warten muss, werde ich diesen Ort immer mit einer lustigen und außergewöhnlichen Erfahrung verbinden.
Schließlich habe ich dort schon einmal gewohnt;)


unser Wohnraum


















...der grandiose Ausblick


...natürlich war die Mädchentoilette direkt nebenan;)!

6 comments:

Anonymous said...

was für eine witzige aktion!! =) lustig auch, wie anders die gegenstände wirken, die man sonst immer an einem bestimmten platz sieht!
kristina

suvi-marja said...

Auf jeden Fall! Je persönlicher der Gegenstand ist, desto eher bemerkt man eine Veränderung:)

rockersgalore said...

super idee, sieht auch irre gemütlich aus. aber ich mag wirklich sehr den gedanken, der dahinter steht...

suvi-marja said...

Das war es wirklich, habe mich nach einer kurzen Eingewöhnung richtig wohl gefühlt!! In Kunst müssen wir immer alles dokumentieren und zeigen, dass ein Sinn dahinter steht...zur Praxis gibts immer ne Menge Theorie..manchmal nervt das auch;) LG!

Anonymous said...

COOL! Das ist ein cooles Projekt =) (na klar und ne coole Cousine!)
xxx
_s

suvi-marja said...

Dankeschön! Letzteres kann ich nur zurückgeben:)!!